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"Ernährung"

Wahlprüfsteine

 

Am 26. Mai wird in Görlitz ein(e) neue(r) OberbürgermeisterIn gewählt.

Uns interessiert natürlich brennend, was die KandidatInnen über den Umwelt- und Naturschutz denken und welche Vorhaben sie umsetzen wollen. Deshalb haben wir sie dazu vor einem Monat befragt.

Wir werden ab jetzt in jeder Woche eine Frage mit allen Antworten in alphabetischer Reihenfolge veröffentlichen. Als Naturschutzverein sind wir überparteilich und neutral, wir sprechen daher keine Wahlempfehlung aus. Die Antworten wurden von uns nicht verändert. Macht Euch selbst ein Bild. In der Woche vor der Wahl veröffentlichen wir an dieser Stelle eine Kurzzusammenfassung aller 8 Wahlprüfsteine und dann hoffen wir, dass Ihr gut informiert wählen gehen könnt.

Viel Spaß beim Lesen. 

 

Hier ist die Nummer 4 zum Thema:
"Ernährung"

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Hintergrund:

Hintergrund: Mit Blick auf die internationalen Ziele im Klima- und Biodiversitätsschutz wird eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Pestizide und ohne künstliche Düngung auskommen müssen – dafür sind die Produktion und der Konsum tierischer Nahrungsmittel stark zu reduzieren. Die Senkung des Fleischkonsums wie auch die Ökologisierung der Landwirtschaft ist (kommunal) politisch kaum möglich, jedoch gäbe es Mittel und Wege, als Stadt mit gutem Beispiel voranzugehen und positiven Einfluss auf regionale Landwirte zu nehmen Unsere Fragen an Sie:

A. Planen Sie eine kommunale Einflussnahme auf Qualität und Angebot der Schulspeisung (zum Beispiel eine ökologisch-nachhaltigere Ausrichtung und ein erweitertes vegetarisches Angebot)? Wenn ja, wie wollen Sie dies erreichen?

B. Gibt es ein Konzept oder Ideen Ihrerseits zur Vermarktung und Verbreitung regionaler und saisonaler Lebensmittel und vor Ort produzierter ökologischer Artikel, wenn ja, wie sieht dies aus?

C. Planen Sie die Unterstützung ökologisch arbeitender Landwirte in der Region, wenn ja, wie?

D. Planen Sie die Bereitstellung von Flächen und die Unterstützung regionaler Projekte im Bereich „urban gardening“ (Zum Beispiel frei verfügbare Park- und Grünflächen, Gemüse-/Kräuteranbau auf öffentlichen Plätzen, „essbare Stadt“, Unterstützung etwa des Urban-Gardening-Projektes in der Rabryka, Schulgärten)?

 

Die Antworten der OberbürgermeisterkandidatInnen

 

Jana Lübeck, Kandidatin für „Die Linke“:

Grundsätzlich ist bei der Schul- wie auch den Kita-Essen die Elternmitbestimmung zu beachten. In Einrichtungen mit kommunalem Einfluss ist es denkbar, hier bei künftigen Ausschreibungen darauf zu achten, auch Essenabieter*innen mit einer ökologisch-nachhaltigen Grundlage zu beteiligen. Wir wollen hierzu u.a. die gezielte Förderung gemeinschaftlich organisierter Betriebsformen, zum Beispiel auf genossenschaftlicher Grundlage, fördern und auch die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien bei der Förderung von Unternehmensansiedlungen ausweiten. Viele Menschen in der Oberlausitz fördern regionale Betriebswege, sowohl aus Produzierende, im Vertrieb, in der Gastronomie, im Einzelhandel oder als Verbraucher*innen (Prosument*innen). Die Vernetzung dieser Akteur*innen ist uns wichtig. Als Stadt Görlitz ließe sich beispielsweise mit dem Umland eine Art „Ernährungsbeirat“ gründen, wie es ihn in Dresden oder Leipzig gibt. Dafür bedarf es der Offenheit der lokalen Anbieter*innen. Als Oberbürgermeisterin und als Stadtratsfraktion können wir hierbei aber Impulse geben. Wir haben uns im Sinne einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung weiter dazu positioniert, eine aktive Weiterentwicklung von Freiflächen und Gärten zu Oasen der Biodiversität und Artenvielfalt mit entsprechenden Bildungsangeboten zu fördern. Darüber hinaus sehen wir in der Förderung bürgerschaftlicher Initiativen zur Nutzung und Bespielung öffentlicher Flächen, bspw. in Form von Zwischennutzungen von Brachen und Leerstand sowie von Stadtteilgärten ein wichtiges Handlungsfeld. Aktuelle Projekte, wie auf dem Rabryka-Gelände, unterstützen wir ausdrücklich. Die Kleingartenvereine sind hierbei ebenso mit einzubeziehen und zu unterstützen. Ihre Arbeit in den privaten Grünflächen ist ein wichtiger Wissensschatz für Görlitz.

 

Franziska Schubert, Kandidatin von „Bündnis90/die Grünen“, „Bürger für Görlitz e.V. und dem Netzwerk „Motor Görlitz“ und der SPD:

A: Eine gesunde Ernährung unserer Kinder ist wichtig und muss deshalb auch in der Schule vorgelebt werden. Umso wichtiger ist demnach ein reichhaltiges, umfangreiches Angebot, das natürlich auch vegetarische Kost miteinschließt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die indoktrinär arbeiten. Ich setze darauf, mit Argumenten zu überzeugen. Aufklärung und Bildungsarbeit, Informationsangebote – das sind erste Ansatzpunkte für Bewusstseinsbildung. Die Schulspeisung obliegt den jeweils engagierten Küchen, welche mithilfe eines Ausschreibungsverfahrens anhand von Kriterien ausgesucht und verpflichtet werden. Demnach sind die vorgegebenen Kategorien entscheidend. Das würde ich mir als Oberbürgermeisterin einmal genauer anschauen wollen.Zusätzlich sind Initiativen von örtlichen Küchen oder deutschlandweite Projekttage zum Thema gesunde Ernährung wie „Mehr bewegen – besser essen!“ zu unterstützen. Auf Landesebene gibt es Programme, die wir nutzen können. Das würde ich als Oberbürgermeisterin angehen. Wir haben mit dem Stadtgut Görlitz einen regionalen Produzenten, es gibt aber auch weitere regionale Anbieter. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Schulen die Möglichkeiten überhaupt erst einmal kennen. Eine Handreichung, wer lokal/ regional produziert und kocht, kann ein erster Schritt sein. Die DPFA Regenbogenschule zum Beispiel arbeitet mit der Obermühle zusammen, welche auf regionale Zutaten achtet. Die Erfahrung zeigt: die Eltern wollen mitreden. Dafür braucht es Überzeugungskraft.

B: Für mich ist das Thema regionaler Produkte ein klarer Wirtschaftsfaktor. Hier kann in Görlitz deutlich mehr getan werden. Die Aufnahme in das Stadtmarketing ist eins meiner Ziele. Ich beschränke das nicht nur auf Lebensmittel, sondern auch auf handwerklich erzeugte Produkte. Als Stadtverwaltung sehe ich mich dem Leitsatz „Vorbildwirkung der öffentlichen Hand“ verpflichtet. D.h., dass ich Entscheidungen so gestalten möchte, dass sie Wertschöpfung vor Ort erzeugen. Eine Produktschau Görlitzer Spezialitäten würde mir gut gefallen. Viele Tourist:innen suchen ja genau das: das authentische kulinarische Erlebnis und Mitbringsel. In der Touristinformation sollte es daher eine Ecke geben mit eben solchen Görlitzer Spezialitäten.

C: Ich kann mir vorstellen als Oberbürgermeisterin die ökologisch arbeitenden Landwirte der Region zu unterstützen, in dem ich deren Lebensmittel für städtische Veranstaltungen bestelle (siehe B) und mich im Stadtmarketing dafür einsetze, dieses Thema stärker zu berücksichtigen.

D: Ja. Kreative Konzepte zur Begrünung der Stadt, die zusätzlich noch das Bewusstsein für gesunde, nachhaltige Ernährung fördern, benötigen den Platz und die Unterstützung, um diese Projekte weiterzuführen. Ich hatte weiter oben bereits ausgeführt, dass die Umweltbildung für mich einen hohen Stellenwert hat. In den Schulen und Kindergärten können hier sinnvolle Projekte angegangen und unterstützt werden. „Essbare Städte“ leben davon, dass Menschen engagiert bei der Sache sind und das auch kontinuierlich betreiben. Mit Sicherheit eignen sich städtische Flächen und Streifen für urbanes Gärtnern. Mobile Hochbeete zum Beispiel können eingebettet werden in Bildungsprojekte oder Seniorenprojekte. Die KommWohnen kann ins Boot geholt werden oder auch die Kleingartenvereine, die ja schon in gewissem Maße urbanes Gärtnern betreiben. Auch der Betriebshof kann angesprochen werden, was mehrjährige Kulturen angeht (Zwiebeln zum Beispiel). Ideen habe ich da viele – es braucht jedoch Menschen, die sich engagiert dafür einsetzen und es (mit)machen.

 

Octavian Ursu, Kandidat der CDU:

Über Qualität und Angebot der Schulspeisung sollen die Schulen gemeinsam mit Eltern und Schülern entscheiden. Ein Konzept für die Verbreitung regionaler und saisonaler Lebensmittel sehe ich ebenfalls nicht als Aufgabe der Stadt an. Die Unterstützung von Projekten des urban gardening ist wünschenswert. Voraussetzung dafür sind jedoch entsprechende finanzielle Mittel im Haushalt der Stadt.

 

Sebastian Wippel, Kandidat der AFD:

Unsere Positionen zu Fragen des Umweltschutzes, entnehmen Sie bitte unserem Kreisprogramm unter www.afdgoerlitz.de Hier finden Sie einen extra Abschnitt zu dem Thema. Des weiteren stehe ich auf dem Standpunkt, dass wir in unserer Stadt durchaus erhaltenswerte Flächen haben, die der Erholung dienen z.B. am Caroluskrankenhaus hinter der Christuskirche. Fragen des Stadtklimas, sollten bei der Bauplanung öffentlicher Gebäude mitgeprüft werden. Der Naturschutztierpark, soll weiter unterstützt werden und das Umweltbewusstsein unserer Kinder geprägt werden. Das gleiche Ziel soll die frühe schulische Bildung haben. Z.B. wenn im Rahmen von Projekttagen auch die Sauberkeit der näheren Umgebung geprüft und verbessert wird. Fragen der Flächenentsieglung im Ausgleich für Baumaßnahmen, sollten vom Freistaat unterstützt werden. Dem Grundsatz nach, sollte die nähere Umgebung der Stadt vorrangig der Erholung dienen können und die Stadt selber als verdichteter Raum Leben und Wirtschaften ermöglichen.

 

Die Antwort von Momo Riedmüller wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, auch wenn sich nicht genug Unterstützerstimmen für seine Kandidatur gefunden haben:

Momo Riedmüller, Kandidat von „Die PARTEI“:

4a - Ja. Es würde sich bewerkstelligen lassen, indem man die Schulen dazu verpflichtet, die Schüler sich gegenseitig bekochen zu lassen. Dies würde die Schüler außerdem in Unterrichtseinheiten beschäftigen, die durch den massiven Lehrermangel eh ausfallen würden.

4b - Wir stoppen einfach die Importe von nicht regionalen Lebensmitteln, zum Beispiel durch Mauern.

4c - siehe 4b. Meinetwegen können wir statt Mauern auch Hecken pflanzen, im Sinne der Biodiversität (2a).

4d - Klar. Ich mag Flächen. Wir könnten beispielsweise die Landeskrone in zum größten Kräuterhügel der Region umbauen. Das würde sich auch auf 4b und 4c positiv auswirken

 

Kontakt

E-Mail: bund(dot)goerlitz(at)bund(dot)net
Internet: www.gesunde-zukunft.eu/goerlitz
Facebook: www.facebook.com/BUNDOrtsgruppeGoerlitz/ 
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